Ein grünes Heim für Pfadfinder
In Kenia planen europäische und afrikanische Pfadfinder gemeinsam ein "grünes Pfadfinderzentrum" – und mehr ...Text: Jutta Sommerbauer

Manchmal entstehen bahnbrechende Projekte abseits der großen Zentren. Zum Beispiel in Miritini. Miritini, das ist ein ärmlicher Vorort der kenianischen Stadt Mombasa, im äußersten Osten des Landes, am Ufer des indischen Ozean gelegen. In Miritini, das 20 Minuten Autofahrt vom Stadtzentrum Mombasas entfernt ist, soll etwas entstehen, was Kenia, ja Afrika und womöglich die ganze Welt noch nicht gesehen hat: ein nachhaltiges, auf ökologischen Prinzipien gebautes Pfadfinderhaus und Gemeindezentrum.
Noch deutet auf dem Grundstück wenig darauf hin, dass hier an einem internationalen Vorzeigeprojekt gewerkt wird. Doch Christian Erxleben, Altpfadfinder und Projektmitarbeiter aus dem norddeutschen Ahrensburg, ist sicher, dass ein wichtiger Schritt schon stattgefunden hat: "Die Regierung hat den Pfadfindern das Grundstück geschenkt. Und es ist im Grundbuch eingetragen." Immerhin, das Grundstück ist nicht gerade klein: acht Hektar ist es groß.
Alle arbeiten ehrenamtlich
Nachhaltig sein – und damit eine Vorbildfunktion für die Community haben, das ist die Idee hinter dem Projekt, das den Namen "Harambee Costa Kenya" trägt: "Harambee", das bedeutet auf Suaheli "zusammenarbeiten". Die Initiatoren waren die Pfadfinder vor Ort. In ihrem Namen wandte sich die Kenia Scouts Association (KSA) vor einigen Jahren an Pfadfinder in Europa und bat um Unterstützung für die Projektidee. Im Jahr 2003 beschlossen Pfadfinder aus Deutschland, Österreich, Italien und Liechtenstein, die Kenianer bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Die Pläne hat man gemeinsam mit einem Architekten vor Ort erstellt, alle, "bis an die Spitze", so Erxleben, arbeiten ehrenamtlich. "Das entspricht dem Pfadfindergedanken", sagt er.Der Plan: ein "grünes", ökologisch gebautes Pfadfinderhaus soll hier entstehen; ein Gebäude, das sich in einen natürlichen Kreislauf einfügt: Energiegewinnung und Verbrauch sollen sich die Waage halten; alles, was an Abfall oder Abwasser entsteht, soll wieder genutzt werden können. Und später einmal soll das Haus nicht nur die äußerst aktiven Pfadfindergruppen der Gegend beherbergen, sonder für die ganze Gemeinde von Nutzen sein – ein Pfadfinderheim inklusive Schule, Versammlungsraum, Gesundheitszentrum.
Die Pfadfinderei ist in Kenia weit verbreitet, sie übernimmt wichtige soziale Funktionen, dort, wo der Staat nicht so präsent ist: "Die Pfadfinderei findet schon in der Schule statt," sagt Erxleben, und sie gehört selbstverständlich zur Erziehung dazu. "Es gibt ja keine Sozialpädagogen dort."
Christin Erxleben ist Architekt; er hat schon in Ghana Schulen gebaut. Er ist für die Entwürfe verantwortlich, ist selbst zwei bis dreimal im Jahr in Afrika. Und wird Kenia wohl noch öfter besuchen: Denn das Projekt hat eine Laufzeit von mindestens fünf, wenn nicht gar zehn Jahren.
Warum dauert das alles so lange? Der Bau ist eben ein gemeinsamer Prozess. "Wir können jederzeit etwas hinstellen, aber das wird nur ein oder zwei Jahre stehen bleiben," erklärt Erxleben. Und beim Projekt in Miritini soll das anders laufen. Besser.

Andernorts in Afrika kaum Thema: Umweltschutz
Wichtiger Teil des Projekts sind deshalb auch die Workcamps: In den Camps arbeiten Jungpfadfinder und interessierte Jugendliche aus Europa gemeinsam mit Pfadfindern vor Ort drei Wochen in Miritini. Sie bilden eine Gemeinschaft, die das Projekt vorantreibt, in kleinen Schritten. Im September fand das vierte Workcamp statt, das nächste Workcamp soll im Sommer 2010 stattfinden. Zusätzlich sammeln die europäischen Pfadfinder Geld für das Projekt.Das Gebäude ist durchaus auch eine Herausforderung für die Nachbarschaft: Umweltschutz wird in Kenia noch nicht groß geschrieben, höchstens im Tourismus. "Dort wo es ums Überleben geht, steht Umweltschutz an letzter Stelle," sagt Erxleben. Umso wichtiger die Vorbildwirkung. Gerade etwa beim Thema Wasser und Abwasser. Trinkwasser ist oft nur über kilometerlange Transportwege erhältlich, Toiletten sind am Land oft nicht mehr als ein Loch im Boden, mit Holzpfeilern und Tüchern abgesteckt. Beim Communit
y-Zentrum soll das mal anders werden: Die Idee ist, dass das Haus an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen wird oder einen eigenen Brunnen erhält. Und moderne Trockentoiletteanlagen.
Wichtig ist den Pfadfindern die Verwendung örtlicher Materialien: Nicht nur weil das günstiger ist, die Ortsansässigen können die Baustoffe auch selber warten und ausbessern. Erxleben erklärt, worauf bei der Planung zu achten ist: Das Gebäude muss vor der Regenzeit schützen, ansonsten muss es vor allem kühlen – die Winde werden architektonisch genutzt. Holz muss vor den zersetzenden Termiten geschützt werden, auch ein doppeltes Dach kühlt das Gebäude. Auf dem Dach wird Wasser gesammelt, man will auch eine eigene Solaranlage installieren. Traditionelle Bauweise und moderne Elemente werden vereint: Die Wände sind aus Korallensteinen, verbunden sind sie mittels Stahlbetonkonstruktion. Teilweise werden auch Schilfdächer verwendet. Das hat einen klaren Vorteil: "Das kann jeder im Dorf reparieren." Damit das Pfadfinderhaus auch wirklich lange für die Community von Nutzen ist."
Workcamp in Kenia: Pfadfinder und andere interessierte Jugendliche ab 18 Jahre können sich bei elfi.erasim@aon.at melden. http://www.harambee-costa-kenya.de/

