The Tent

Das Zelt ist für den Maler Wolfgang Wirth ein Hort der perfekten Illusion. Von falschen Fährten, dem Wesen des Zelts, das der gebürtige Tiroler in seinem Bild ergründet, und dem groben Stoff, aus dem unsere Träume gesponnen sind.
Das hat – vor allem in Österreich – viel mit unterschätzter Symbolkraft zu tun.

Eine Dokumentation von Thomas Weber


"Ein Zelt ist etwas Geheimnisvolles – von
außen betrachtet. Von innen ist es etwas sehr
Intimes, eine wunderbare abgeschlossene Welt.
Kein Wunder also, dass Kinder so gerne zelten,
wo sie hier doch ihren Eltern oder Freunden
besonders nahe sein können. Kein Wunder
auch, dass Er wachsene hier in ihrer Sehnsucht
nach Freiheit zu Kindern werden – die Welt
draußen scheint völlig bedeutungslos, auch
wenn sie nur hinter ein oder zwei Lagen
millimeterdünnen Stoffes liegt."


In einem Zelt befindet man sich in einem abgeschlossenen System, wo die sichtbare äußere Welt letztlich nur als Projektion wahrgenom men werden kann. Vorbeifahrende Autos werfen Schatten, die äußere Realität wird 'abgebildet' – da ist man schnell bei Platons Höhlengleichnis. Von außen ist es genau umgekehrt. Man steht vor einem Zelt – oder, wie in unserem Fall, als Betrachter vor einem Bild, das im Original ja so groß ist, dass man glauben könnte, zufällig an einem Zelt vorbei zu spazieren – und weiß nicht, was im Zelt vor sich geht. Die Schuhe, der Rucksack davor könnten natürlich auf etwas hindeuten. Was in diesem Zelt passiert, bleibt aber letztlich in der Vorstellung des Betrachters, der es aufgrund seiner eigenen Erfahrungen anfüllt. 'The Tent' basiert auf einem Bild aus dem Internet, das vom Künstler zufällig gefunden wurde. Ursprünglich waren auch Personen und andere Gegenstände zu sehen, aber der Ursprung ist hier nicht wichtig. Den Maler interessiert das Wesen eines Zeltes und stellt die Frage: Was ist ein Zelt? Ein Zelt umgibt - wie hier in diesem Bild allein inmitten einer kargen Landschaft, in der nur ein paar Blumen Vegetation andeuten - auch etwas Bedrohliches. Es wird zu etwas Unheimlichem, denn die verletzbare Hülle aus Stoff ist ja kein wirklicher Schutz gegenüber äußeren Bedrohungen und seien es auch nur die Vorstellungen über die der Betrachter in sein Inneres vordringt. Vegetation, Moos, Widersinn Für Wirth ist ein Zelt aber auch deshalb interessant, weil es aus Stoff ist, vom Wesen her also zweidimensional und mit ein paar Hilfsmitteln Raum schaffen und zu einem dreidimensionalen Objekt werden kann. Im Bild 'The Tent' zeigt sich auf einer zweidimensionalen Fläche ein gegenständlich gemaltes Objekt, das Körperhaftigkeit ebenso wie Räumlichkeit zu erzeugen vorgibt. Wobei das eine wie das andere eine Illusion ist, die nur in der Vorstellung entsteht. Das Spiel mit dem Scheinbaren und dem Tatsächlichen ist in 'The Tent' gleich noch einmal verankert – in der rechteckigen Bodenfläche rechts vor dem Zelt. Alles sieht so aus, als wäre dort ein anderes Zelt gestanden. Die Fläche entsteht durch Vegetation, Moos. Was widersinnig ist, denn die Spur, die ein Zelt hinterlässt ist ja eher die, dass die dort vorher gewesene Vegetation verschwunden oder niedergedrückt ist. Realität wird hier also, obwohl alles so logisch erscheint hinterfragt, beziehungsweise umgekehrt. Was übrig bleibt ist ein Bild, das sich in malerischen Strukturen auflöst und die Frage, ob das was sich hier zeigt real ist oder die Wirklichkeit nur in der Vorstellung erschaffen wird.

_ Werke von Wolfgang Wirth sind ab 5.12.2007 im Rahmen der Gemeinschaftsausstellung 'Grenzziehungen?' im Innsbrucker Kunstpavillon zu sehen.